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Aus dem Gemeindebrief Mitte August 2019

GAG-GemeindebriefVergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Hebräer 13,2
Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Hebräer 13,2

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Hebräer 13,2

 

ANDACHT

Liebe Leserin, lieber Leser, wen lassen Sie in Ihre vier Wände? Nur geladene Gäste oder die Familie? Oder jeden, der kommt? Oder am liebsten niemanden? Wer Leute hereinlässt, der gibt viel von sich preis. Der Gast schaut sich um: Aha, solche Bücher liest man bei denen.

Und diese Musik hören die. Da oben könnte ja auch mal abgestaubt werden. Und die spießige Einrichtung! - Könnte man sich so vorstellen, gell? Aber vielleicht denkt einer auch: Wie freundlich, dass sie mich zum Kaffee einlädt. Sind wir jetzt Freunde? Das wäre schön! Jesus war ständig zu Besuch. Seit er als Wanderprediger unterwegs war, übernachtete er samt Jüngerschaft bei den Leuten. Die Bibel erzählt, dass man ihn gerne da hatte, ja direkt eifersüchtig wurde, wenn er woanders abstieg. Bei Zachäus, dem allseits verachteten Zöllner, wohnte er. Den Zachäus versetzte Jesu Besuch in solche Begeisterung, dass er sein Leben völlig umkrempelte und sich Jesus anschloss. 

Ja, Jesus würden wir auch empfangen. Vielleicht ist das sein Platz dort oben auf dem Bild. Einer in der fröhlichen Runde. Wen wurden Sie noch mit dazu einladen, wenn Jesus käme? Ihre Familie? Die depressive Nachbarin? Ihre Kinder und Enkel, die mit Jesus nichts anfangen können? Die Pfarrerin, damit auch sie mal Jesus aus der Nähe kennen lernt? 

Wir sind uns einig: Das wäre ein großer Tag mit zahllosen Selfis mit Jesus und einem fetten Eintrag im Gästebuch. Gemeinschaft mit Jesus, sogar als Gastgeber, die Finden wir beim Abendmahl. Auch in unser Leben möchte er eingelassen werden. Und sonst so? Eine offene Tür für Bekannte und noch nicht so bekannte, die lässt die Freude ins Herz. Manch einer bringt den Segen seiner Freundschaft herein, mancher erweist sich als Engel. Tolle Begegnungen und frohe gemeinsame Stunden wünsche ich Ihnen in diesem Herbst! 

Ihre Pfrn. Amina Bruch-Cincar

Aus dem Gemeindebrief Mai 2019

ABCAmina Bruch-Cincar, Pfarrerin
Amina Bruch-Cincar, Pfarrerin

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

er ist nicht immer einfach, der Umgang mit anderen Leuten, gell? Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Gespräch mehr Geistesgegenwart erfordert als die Rennfahrt auf dem Nürburgring. So viel geht mir durch den Kopf, wenn ich mich mit anderen austausche: Wie hat sie das jetzt gemeint? Was sagst du jetzt dazu? Nein, auf den Witz verzichtest du besser! Sie hört sich an wie ihre Mutter! Oder: O wei, das tut mir furchtbar leid, was für ein Elend! Kennen Sie das auch? Ausgespro­chen wird davon nur ganz wenig. Ist ja klar. Manchmal ärgert man sich hinterher, nicht schlagfertig genug gewesen zu sein. Manchmal bereut man eine kecke Bemer­kung. Es ist nicht leicht.

Im Jakobusbrief steht: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Jak 1,19

1. Schnell zum Hören. Ich denke oft, ich kapiere unfassbar langsam und verges­se schnell. Vom schnellen Hören kann bei mir leider nicht die Rede sein. Wenigstens kann man nachfragen. Auf die Gefahr hin, für etwas doof gehalten zu werden. Aber unter uns: Wer nicht klar und einfach er­klären kann, hat es oft selbst nicht begrif­fen. Und noch eins: Hören ist sehr wichtig. Sie werden nie etwas Neues erfahren, wenn Sie die Leute nur zutexten! Hören Sie gut zu! Fragen Sie nach! Sie werden staunen, was für interessante Menschen um uns her leben. Und Ihr Gesprächspart­ner ist glücklich, dass jemand an seinen Gedanken und Gefühlen teilhat.

2. Langsam zum Reden. „Schalte dein Hirn ein, bevor du redest!“ Den Tipp kennen Sie selbst, gell? Besonders wenn es darauf ankommt, sollten wir manchmal lie­ber nichts sagen, selbst auf die Gefahr hin, für langweilig gehalten zu werden. „Dazu möchte ich mich jetzt noch nicht äußern. Ich muss nochmal drüber nachdenken.“ Denn: gute Gedanken kosten Überlegung und die braucht Zeit.

3. Langsam zum Zorn. Jaja, der Zorn. Da pocht es im Hals und der Verstand setzt aus. Jetzt zum Rundumschlag aus­holen und allen mal richtig die Meinung sagen! Wie lustvoll! Oft genug traut man sich nicht (zum Glück) und wird dann nachts wach und feilt stundenlang an küh­nen, vernichtenden Zornesreden. Kleiner Trost: Das geht vorbei. Bald schon legt sich die Aufregung und alle Beteiligten machen irgendwie weiter. Immerhin! Hätte ich meiner Rage freien Lauf gelassen, würde ich es viel länger bereuen und müsste mich entschuldigen, um am Ende zu verste­hen, dass keiner, aber auch gar keiner zur Einsicht gekommen ist. Der Sturm im Wasserglas! Mit wilden Auftritten bekehrst du niemanden. Wenn du verstehst, dass eine Beziehung übel geworden ist, dann beende sie. Nicht im wilden Zorn, sondern ruhig.

Sommer: Zeit für die Familie, für Freunde, für Geselligkeit. Genießen Sie die gemein­same Zeit. Entdecken Sie, was für interes­sante Leute um Sie her leben und hören Sie ihnen gut zu! In diesem Sinne: Haben Sie eine gesegnete Zeit!

Ihre Pfrn. Amina Bruch-Cincar

ABCAmina Bruch-Cincar, Pfarrerin
Amina Bruch-Cincar, Pfarrerin

Aus dem Gemeindebrief Februar - Mai 2019

 

Alles selbstgemacht

 

So tönte es stolz, wenn ich als Kind etwas zu schenken hatte: ein gemaltes Bild (Blumenstrauß in der Vase, der Klassiker), ein Nadelkissen in Herzform oder gar ein gehäkelter Topflappen. Die bewundernden Ah- und Ohrufe der gewogenen Verwandtschaft waren mir sicher und das Gefühl, dass ich es nicht besser hätte machen können.

 

Eben selbstgemacht. Das kommt von Herzen. Später gab mir das Selbermachen eine gewisse Unabhängigkeit. Barbiekleider häkeln, das machte Spaß und kostete nichts. Pullis stricken gab so mancher öden Unterrichtsstunde wenigstens den Sinn, ein paar Zentimeter weitergekommen zu sein.

 

Bretter konnte man zu Regalen nageln, die Jeans enger nähen, ein Rezept abwandeln, wenn eine Zutat nicht da war. Wir wussten uns zu helfen. Wart, das kriegen wir hin! Wie könnten wir das anstellen? Wer selber macht, spart Geld und fühlt sich nicht ausgeliefert. Der ärgert sich nicht nur über den tristen öffentlichen Raum, sondern bepflanzt die Baumscheibe neben dem Bürgersteig. Der kritisiert nicht die Zusammensetzung von Fertigessen oder Kosmetikprodukten, der kocht und mischt sich das eben selber. Da weiß man, was drinnen ist und hat auch Spaß bei der Herstellung. Wer sich Gedanken macht, was aus Stoffresten anzustellen ist und sich - sagen wir aus den Krawatten des verstorbenen Ehemanns eine farbenfrohe Weste genäht hat, ist mit Recht stolz darauf.

 

Diese Weste wird gewiss nicht in der Altkleidersammlung landen, selbst wenn sie einmal zu eng geworden sein sollte. Hier kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel. DIY (sprich: di ei wie), also „Do It Yourself“ so nennt sich eine Bewegung, die sich das Selbermachen auf die Fahnen geschrieben hat. Junge Leute entdecken die Lust am Basteln, Bauen, Nähen und Kochen, Imkern, Backen und Reparieren.

 

Sie tauschen sich im Netz aus, finden Plätze zum städtischen Gärtnern (Urban gardening) oder veranstalten Märkte (z.B. unser Koffermarkt). Das einst so miefige Strickkränzchen wird hip. Mir gefällt das. Diese Lust an der Geschicklichkeit der eigenen Hände hat uns Gott in die Wiege gelegt. Dieses Gefühl von tiefer Befriedigung, wenn wir etwas schön und ordentlich vollendet haben, das muss Gott gespürt haben, als er die Welt erschaffen hat. Nach seiner Vorstellung und mit einer geradezu wahnwitzigen Detailverliebtheit.

 

Schon immer schlossen Menschen von der Schöpfung auf den Schöpfer zurück. Sollte er nicht stolz sein? Sollte er nicht einen ganz besonderen Bezug haben zu seinen Geschöpfen? Würde er es zulassen, dass die Schöpfung vor die Hunde geht? – Wer sich auch nur kurz damit beschäftigt, wie raffiniert in der Natur eins ins andere greift und alles so kunstvoll zusammenhängt, der spürt die Liebe, die Fürsorge und die Leidenschaft, die Gott für das Werk seiner Hände hegt.

 

Eine weitere Welt hat er nicht in petto, wenn wir diese verbraucht haben. Ich wünsche Ihnen offene Augen für die Herrlichkeit der Schöpfung und gute Ideen, wie wir pfleglich mit ihr umgehen können.

 

Ihre Pfrn. Amina Bruch-Cincar 

15.02.19

 

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