Andacht aus dem Gemeindebrief
Siehe, ich mache alles neu!
Kategorie: Andacht (N), Nachrichten (N)
Bildrechte: Jonathan Stoll
Nun ist das neue Jahr schon wieder ein paar Tage alt.
Wie bist du im neuen Jahr angekommen?
Welchen deiner guten Vorsätze für das neue Jahr hast du
verwirklicht?
Oder überwiegt der Gedanke, manches Gewohnte und
Bequeme könne auch einfach mal genau so bleiben, wie es
ist?
In Hinblick auf den ein oder anderen Vorsatz klingt die
Losung für das Jahr 2026 schon fast wie eine Provokation:
„Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)
Das ist wohl der radikalste Vorsatz, den ich mir vorstellen
kann.
Wenn tatsächlich alles neu wird, klingt das natürlich erst
einmal nach einer großen Erneuerung. Nach frischem
Wind. Nach neuem Schwung.
Aber alles neu zu machen: Das klingt auch nach ganz
schön viel Aufwand, nach viel Umstellung und nach einigen
Abschieden.
Vielleicht regt sich da sogar Widerstand:
Ist denn alles so alt, so überholt, dass es neu gemacht
werden muss?
„Siehe, ich mache alles neu.“
Dieser Satz wird glücklicherweise nicht von einem nahestehenden
Menschen gesprochen, oder von einem neuen
Chef, der den Betrieb einmal umkrempeln möchte.
Sondern Gott selbst sagt diesen Satz.
Dabei geht es nicht um einen spontanen Einfall Gottes,
auch nicht um wolkige Fantasien oder entfernte Theorien.
Sondern Gott spricht diesen Satz im Kontext wesentlicher
menschlicher Fragen:
Wohin mit meiner Trauer? Warum diese Schmerzen? Worauf
kann ich hoffen?
Und welche Rolle spielt Gott dabei?
„Siehe, ich mache alles neu.“
Siehe, ich mache alles neu!
4 Dieser Satz weitet die Perspektive:
Deine Hoffnung auf Gott soll nicht unbegründet gewesen
sein.
Es ist die Hoffnung auf eine neue Welt, in der das, was uns
Menschen an unsere Grenzen bringt, seine überwältigende
Kraft verliert.
Diese zugewandten Worte Gottes meinen: Du bist mehr
als die Tränen, die du beim Abschied weinst. Mehr als die
Schmerzen deiner Krankheit. Gott sieht da etwas Neues,
wo du am Ende bist. Sogar die freudigen Überraschungen,
die unverhofften Begegnungen, die glücklichen Stunden
sind nie ohne Gott.
Bei Gott muss man immer mit etwas Neuem rechnen.
In der Bibel stecken so viele Erzählungen und Bekenntnisse,
die genau das unterstreichen.
Darum hier ein Vorschlag:
Lasst uns versuchen, in allem Alltäglichen und Außergewöhnlichen,
in allem Streiten und Versöhnen, in allem
Schweigen und Reden, in allem Tun und Lassen dem Hoffen
auf Gott ausdrücklich einen Platz einzuräumen.
Das macht uns wahrscheinlich etwas demütiger.
Wir können guten Mutes manches neu beginnen und uns
am Kleinen freuen, das gelingt.
Wir können manches auch getrost sein lassen.
Wenn wir Gottes Wirken über den Weg trauten, würde
nicht alles Scheitern und Gelingen allein auf unseren Schultern
lasten.
Lasst uns unseren Hoffnungsmuskel trainieren, der damit
rechnet, dass Gott alles neu machen kann.
Ihr / euer Pfarrer Jonathan Stoll
